16.09.13 WIDEMA fordert die Rücknahme des PFB

BI WIDEMA :

WIDEMA fordert die Rücknahme des Planfeststellungsbeschlusses

Wie der Presse zu entnehmen war, hat der Verwaltungsgerichtshof in Kassel die Südumfliegung, mit Hinweis, dass die Route zu dicht an der Startbahn West liege, diese nicht unabhängig zu betreiben und die Kapazität von Deutschlands größtem Airport somit geringer als geplant sei, für rechtswidrig erklärt.

Nun könnte man zu dem Schluss kommen, dass diese Kapazitätseinschränkung durch den Beinahe-Zusammenstoß am 13.12.2011 und der daraufhin erfolgten Untersagung des unabhängigen Betriebs der Bahnen 25R und 18 bedingt sei.
„Dem ist nicht so„, entgegnet Joachim Drews, Vorstandsmitglied der BI WIDEMA. „Unabhängig von der noch ausstehenden Begründung des VGH-Urteils handelt es sich um ein grundsätzliches Planungsproblem beim Ausbau des Frankfurter Flughafens und nicht, wie von der DFS in der Presse kolportiert, um ein Gefahrenpotential, dass durch menschliches Versagen von Fluglotsen oder Piloten bei Ausübung ihrer Tätigkeit erzeugt wird. Auf die nun in der Praxis aufgetretenen Probleme hatte der WIDEMA-Vertreter, Harm Heldmaier, bereits im Erörterungstermin zum Flughafenausbau im Jahre 2005 ausführlich hingewiesen.„

So wurde von Heldmaier im Erörterungstermin nicht nur das Gefahrenpotential im Bereich der Südumfliegung dargestellt, sondern auch die daraus resultierenden kapazitativen Einschränkungen, wonach die von Fraport geforderten 126 Flugbewegungen nicht zu erreichen sind: „Im Planungsfall werden über 98% aller Starts bei Betriebsrichtung 25 in Richtung Süden von der Bahn 18 und in Richtung Süd-Süd-West von der Bahn 25 durchgeführt. Damit entsteht südlich des Flughafens ein Konfliktbereich, der nur durch Abflugverzögerungen bewältigt werden kann. Eine startende Maschine kann nicht in gleicher Weise, wie eine anfliegende Maschine von der Flugsicherung beeinflusst werden. …„ Weiter: „In der Beschreibung der Simulations-modellierung von ATSC wird ausdrücklich auf das Problem einer komplexen Abflugstruktur hingewiesen: … Die komplexe Abflugstruktur von Startbahn 25R im Nahbereich des Flughafens beschränkt teilweise die Abflugmöglichkeit von der Startbahn 18.„

Die nach Inbetriebnahme der Nordwestbahn nun in der Praxis bestätigten Mängel dieser Ausbaukonfiguration, die jetzt vom VGH Kassel attestiert werden, waren durch den Erörterungstermin zum Flughafenausbau hinlänglich bekannt, wurden aber von Politik und Ausbaubetreibern schlichtweg ignoriert.

WIDEMA fordert aufgrund dessen die sofortige Rücknahme des Planfeststellungsbeschlusses, so Vorstandsmitglied Joachim Drews.

Die Verantwortlichen des Flughafenausbaus nehmen bei der Problematik der Südumfliegung, so scheint es, ähnlich wie bei der Wirbelschleppenproblematik den Eintritt nicht nur gesundheitsschädigender Ereignisse billigend in Kauf, sagt Drews.
Aufgrund der Untersagung des unabhängigen Betriebs der Bahnen 25R und 18, wohl auch als Vorbote des VGH-Urteils zu sehen, wurde im Laufe dieses Jahres auf der Nordabflugroute die Anzahl der Flugbewegungen, insbesondere durch Schwermaschinen, erheblich gesteigert. Für den Zeitraum von Januar bis August ergibt sich bereits jetzt eine Verdoppelung der Gesamt-Flugbewegungen an der WIDEMA-Messstelle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Drews befürchtet, dass durch Wegfall der Südumfliegung die Nutzung der Nordabflugroute dergestalt zunehmen wird, dass für die Menschen in der Nordwest-Region ein unerträgliches Maß an Fluglärmbelastung entsteht; schlimmer als zu Zeiten der perfide initiierten Fluglärmbündelung, die sich als vorweggenommener Flughafenausbau in der Luft ab 1997 einen Namen gemacht hat – durchgehend an 18 Stunden am Tag, 365 Tagen im Jahr, von beiden Betriebsrichtungen tangiert.

Deshalb dürfen kapazitätserweiternde Ausbaumaßnahmen, wie der Bau des Terminals 3 mit dem Ziel möglicherweise ein Atlanta-Modell mit 4 parallelen Bahnen für ca. 1 Millionen Flugbewegungen zu schaffen, nicht mehr vorgenommen werden, fordert die BI WIDEMA.

Prognosen der Deutschen Bank und der Flugzeugbauer Airbus und Boeing wiesen bereits im Jahre 2007 auf einen weiteren Ausbau nach dem Ausbau hin.

Joachim Drews

Vorstandsmitglied BI WIDEMA