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31.01.08 Leserbrief
Leserbrief
Der Brief bezieht sich auf die Leitartikel der FAZ "Kleine große Luftfahrtwelt" vom 11.1.08 [15 KB] und "Frankfurt muss Drehkreuz bleiben" vom 29.9.07 [15 KB] .
Kleine große Luftfahrtwelt
Im Leitartikel der FAZ vom 29.11.07, kurz vor dem Planfeststellungsbeschluss, wurden 100 000 durch den Ausbau erwartete Arbeitsplätze angegeben. In mehreren nach dem Beschluss erschienenen Beiträgen so zuletzt am 12.1.08 wird diese Zahl auf 40 000 reduziert.
Auch im Fernseh-Duell der Spitzenkandidaten am 20.1.08 hat Herr Koch diese Anzahl von Arbeitsplätzen in Aussicht gestellt.
Die Voraussagen beruhen auf der angenommenen Zunahme des Flugverkehrs. Die Erfahrung der letzen Jahre hat gezeigt, wie sich Prognosen nicht erfüllen. Anstelle von vorausgesagten jährlich 5% mehr Passagieren waren es nur 0,8 % pro Jahr ( in der Zeit von 2001-2007 insgesamt 5,6 % das heißt 0,8% pro Jahr laut FAZ vom 15.1.08).
Auch die Angaben über die vom Flughafen Beschäftigten sind schwer einzuordnen. In dem Artikel „Kleine große Luftfahrtwelt“ “sind es rund 70 000. Die Anzahl der Fraport-Beschäftigten beträgt aber insgesamt nur 30 000. Die Zahl der Beschäftigten wird mit einem anderen Großunternehmen, nämlich VW, verglichen. Man sollte sich aber vor Augen halten, dass 98 % der hessischen Arbeitsplätze in anderen, überwiegend mittleren und kleineren Betrieben angesiedelt sind.
Fest steht, dass die erwartete Zunahme des Luftverkehrs mit einer Zunahme des Fluglärms einhergehen wird. Die lärmmedizinische Forschung der letzen zehn Jahre stuft die gesundheitlichen Auswirkungen von Lärm schwerwiegender ein als in früheren Untersuchungen. Sie zeigt, dass die Häufigkeit von Herz-Kreislauferkrankungen und insbesondere die der Blutdruckkrankheit (chronische arterielle Hypertonie) mit dem Fluglärm und mit der Nähe zu Verkehrs-Flughäfen zunimmt. Die Ergebnisse der neuen internationalen Hyenastudie, die im Januar 2008 vom Umweltbundesamt mitgeteilt wurden, zeigen, dass schon ab einem nächtlichen Lärmpegel von 40-44 dB(A) die Häufigkeit der chronischen Hypertonie signifikant zunimmt. Das bedeutet im Umkreis des Frankfurter Flughafens mehrere Hundertausend Betroffene. Die Forderung der Lärmforschung nach einer Höchstgrenze des zulässigen nächtlichen Lärms von 45 dB(A) ist gut begründet.
Aus ärztlicher Sicht muss die Gesundheitsgefährdung durch Fluglärm reduziert werden. Die Bewohner der Region im Umkreis des Flughafens haben ein Grundrecht darauf. Es ist verwunderlich warum nicht eine Lärmentlastung z. B. durch Verlagerung der Fracht- und Ferienflüge nach dem Flughafen Hahn versucht wird.
Prof. M. Kaltenbach
Dreieich



